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Diagnose von FASD

Was bedeutet eigentlich FASD?

Unter dem Begriff FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorder) oder auch Fetale Alkoholspektrum-Störungen werden alle Formen von Schäden an Kindern, die durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft verursacht wurden, zusammengefasst. 

Die Diagnose des FAS (Fetales Alkoholsyndrom) bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren stützt sich seit 2012 auf die evidenzbasierten S3-Richtlinien, die eine Expertenkommission für den deutschsprachigen Raum abgestimmt hat.

Diagnosekriterien für FASD

Mindestens eine
Wachstumsauffälligkeit

– Geburts- oder Körpergewicht
< 10. Perzentile,

oder

– Geburts- oder Körperlänge
< 10. Perzentile,

oder

– Body Mass Index
< 10. Perzentile

 

Alle 3 FAS-typischen
facialen Auffälligkeiten

 

– Kurze Lidspalte

und

– Verstrichenes Philtrum

und

– Schmale Oberlippe

 

Mindestens eine
ZNS-Auffälligkeit

 

– Mikrocephalie,

oder

– Globale Intelligenzminderung bzw. globale Entwicklungs–
verzögerung bei Kindern unter
2 Jahren,

oder

– Verminderte Leistungen in
min. 3 Bereichen
oder
in min. 2 Bereichen und Epilepsie:
• Sprache,
• Feinmotorik,
• räumlich-visuelle Wahrnehmung,
• exekutive Funktionen,
• Rechenfertigkeiten,
• Lern- oder Merkfähigkeit,
• Aufmerksamkeit,
• soziales Verhalten.

Sind alle drei Kriterien erfüllt, handelt es sich um das FAS Vollbild.

Faciale Auffälligkeiten

Faciale Merkmale beim Vollbild des FAS (adaptiert nach Confugium eV - Netzwerk für Kinder und Jugendliche)

Diagnose der Fetalen Alkoholspektrum-Störungen

Bei partiellem FAS (pFAS) werden zwei dieser Kriterien erfüllt, zusätzlich ist der Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft bekannt. Dabei handelt es sich beim pFAS keinesfalls um eine abgeschwächte Form des FAS, denn auch hier kann die kognitive und emotionale Entwicklung genauso ungünstig verlaufen wie beim Vollbild des FAS.

ARND (Alcohol Related Neurodevelopmental Disorders): Bei den Betroffenen treten keine körperlichen Beeinträchtigungen auf, jedoch steht die Dysfunktion des Zentralen Nervensystems im Vordergrund. Mindestens eine der zentralnervösen Störung muss vorliegen: kleiner Kopf, Hirnanomalien, verminderte Feinmotorik, Hörprobleme oder auffälliger Gang; zusätzlich können Verhaltensauffälligkeiten, geringe Impulskontrolle, verminderte Schulleistungen und sozio-emotionale Defizite auftreten.
ARND wird nur bei bekanntem Alkoholkonsum der schwangeren Mutter diagnostiziert.
(nach Jana Bott: Alkoholkonsum während der Schwangerschaft, GRIN Verlag 2012)

Übersicht FASD-Ausprägungen

Diagnose-Kriterien

 

 

Wachstumsstörungen

Faciale Auffälligkeiten

ZNS-Auffälligkeiten

Bekannter Alkoholkonsum während der Schwangerschaft

FAS

Ja

Ja

Ja

Optional

pFAS

 

Ja

Ja

Ja

ARND

 

 

Ja

Ja

Nur ein geringer Teil der FASD-Menschen ist dem klassischen FAS-Vollbild zuzuordnen. Etwa 70-80 Prozent aller alkoholgeschädigten Menschen haben keine äußerlich sichtbaren klinischen Erkennungsmerkmale und bleiben in der Regel undiagnostiziert. (Spohr „Das fetale Alkoholsyndrom“, De Gruyter, 2014)

Frühe Diagnose entscheidend für Entwicklungsprognose

Für eine möglichst günstige Entwicklung der Kinder mit FASD ist eine frühe Diagnosestellung - möglichst im Kindergartenalter - und im „Verdachtsfall“ unverzichtbar. Nur so können angemessene Hilfen und Unterstützung frühzeitig in die kindliche Entwicklung integriert werden und vor allem den Eltern und Bezugspersonen qualifizierte Fördermöglichkeiten im Alltag angeboten werden. Eine erste Orientierung bietet der von der FAS-Ambulanz der Uniklinik Münster entwickelte Fragebogen FASQ, in dem insbesondere soziale und emotionale Symptomatiken abgefragt werden. Dieser Fragebogen ersetzt jedoch keine fachliche Diagnosestellung.

Liegt eine entsprechende Diagnose dann vor, bietet sie FASD-Kindern und ihrem Umfeld auch eine wesentliche Entlastung. Denn so werden die Auffälligkeiten als Symptome der Hirnschädigung gesehen und nicht als Persönlichkeitsmerkmal oder Erziehungsfehler.

Früherkennung, Hilfen und Unterstützung bieten regionale Frühförderung und Sozialpädiatrische Zentren. Als Anlaufstelle für die fachliche Beratung von Familien mit Pflegekindern mit fetalen Alkoholspektrum-Störungen gibt es jetzt das neu gegründete FASD-Fachzentrum des Erziehungsbüros Rheinland.

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