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Neurologische und psychiatrische Auffälligkeiten

Störungen der Exekutivfunktionen sind zentrale Beeinträchtigung

Während sich die morphologischen Auffälligkeiten mit zunehmendem Alter zurückbilden können, bleiben kognitive und Verhaltensstörungen bedingt durch die irreparable Hirnschädigung lebenslang bestehen.

Besonders problematisch ist jedoch eine häufig zu beobachtende Beeinträchtigung der sogenannten Exekutivfunktionen, also geistige Funktionen, die das Verhalten steuern – jeweils angepasst an die Umwelt. Gemäß bisheriger Forschungsergebnisse wird die Beeinträchtigung der Exekutivfunktionen als Kernbeeinträchtigung bzw. Hauptproblem beschrieben (Jessica Wagner „FASD und Exekutivfunktionen“ in „Perspektiven für Menschen mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD)“, 14. Fachtagung Erfurt 2012).

Denn Basis für die Ausbildung der Exekutivfunktionen ist ein intaktes Frontalhirn. Zukunftsorientiertes Denken und Handeln, Zielsetzungen, entsprechende Handlungsstrategien entwickeln, Einkalkulieren von Hindernissen, Impulskontrolle, Beobachten der Handlungsergebnisse und Selbstkorrektur sind nur einige Prozesse, die als Exekutivfunktionen zusammengefasst werden. Studien zu FASD belegen Beeinträchtigungen hinsichtlich der kognitiven, sozialen und adaptiven Fähigkeiten sowie deutliche Verhaltensauffälligkeiten, eine Vielzahl von neuropsychologischen Beeinträchtigungen und emotionale Störungen.

Experten gehen davon aus, dass die neurologischen Beeinträchtigungen bei FASD mit und ohne morphologischen Auffälligkeiten in etwa vergleichbar sind. Jedoch ist die körperliche Symptomatik bei den meisten Kindern und Jugendlichen mit FASD nicht sehr ausgeprägt, so dass die Diagnosestellung erschwert wird oder auch nicht immer gewünscht ist, da Ärzte kein Interesse und/oder Eltern Angst vor Stigmatisierung haben. So ist davon auszugehen, dass viele Kinder und Jugendliche mit Alkoholspektrum-Störungen nicht richtig diagnostiziert sind und als ADHS-Patienten in den Statistiken geführt werden. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche mit pFAS und ARND, denn diese Behinderung ist unsichtbar, sie werden daher weniger häufig diagnostiziert und können eine ungünstigere Prognose haben. Sie gelten leicht als „schwere Fälle“, ohne dass die Ursache erkannt wird und eine entsprechende Hilfeplanung einsetzt.

Begleitende Komorbiditäten und sekundäre Störungen bei FASD

Neben der zentralen Störung der Exekutivfunktionen sind Kinder und Jugendliche mit FASD durch folgende Komorbiditäten beeinträchtigt:

  • geistige Behinderungen
  • Entwicklungs- und Wachstumsstörungen
  • extreme Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität, ADHS, autistische Züge, Distanzlosigkeit, Aggressivität
  • Impulskontrollstörungen, fehlendes Gefahrenbewusstsein, Manipulierbarkeit, gestörtes Sozialverhalten

Darüber hinaus können sich auch sekundäre Störungen entwickeln als Folge der Behinderung bzw. sozialen Erfahrungen. Zu nennen sind hier z.B. Depressionen, Antriebslosigkeit, Schulabbruch, gestörtes Sexualverhalten, Alkohol-/Drogenprobleme und Delinquenz.

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