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Pädagogische Haltung

We can’t direct the wind, but we can adjust the sails.

Dieses Zitat von Thomas S. Monson beschreibt das Zusammenleben mit einem Kind/Jugendlichen mit FASD sehr treffend: es gibt zahlreiche unplanbare und stürmische Situationen. Was heute gut lief, kann morgen wieder ganz anders sein. Bei „Gegenwind“ pädagogische Routinen wie Konsequenz und Strenge durchzusetzen, kann das Boot leicht in gefährliche Schräglage bringen: Der junge Mensch mit FASD reagiert mit Wut, Aggression, Rückzug und Versagensgefühlen, denn es fehlt an Einsicht, Verständnis und perspektivischen Lerneffekten.

Perspektivwechsel in der pädagogischen Haltung

Die Herausforderung der Bezugspersonen besteht somit darin, neue Wege für sich und das Kind zu entwickeln – kreativ und reflektierend auf Basis einer positiven pädagogischen Grundhaltung. Denn der Lebenserfolg des Kindes hängt nicht nur von seiner Behinderung ab, sondern auch von den Möglichkeiten der Bezugspersonen: Dem Kind vorzuleben, dass auch mit seiner Problematik das Leben zu bewältigen ist und immer neue Wege gefunden werden können, vermittelt Zuversicht und ebnet den Weg in ein möglichst selbständiges Leben.

Dafür ist es notwendig, grundsätzliches Verständnis für die Art und Weise des kindlichen Verhaltens zu entwickeln und keine altersentsprechenden Entwicklungen zu erwarten. Die (heil-)pädagogische Haltung in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit FASD kann sich nur störungsspezifisch am Kind orientieren mit seinen individuellen Möglichkeiten und Grenzen: Was benötigt das Kind jetzt im Augenblick, welche Orientierung und Sicherheit kann bei der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen helfen?

Grundlagen dieser pädagogischen Haltung sind

  • Unbedingte Wertschätzung dafür, mit welcher oft übergroßen Anstrengung Kinder/Jugendliche mit FASD alltägliche Dinge bewältigen. Und bei allen täglichen Schwierigkeiten gibt es Dinge, die junge Menschen mit FASD besonders gut können und sie für ihre Umgebung liebenswert und bereichernd machen.
  • Einfühlendes Verstehen: sich in den anderen hineinversetzen, Gefühle wie Trauer als mögliche grundlegende Stimmung erstnehmen und zulassen, die Grenzen akzeptieren und dennoch verstehen lernen, warum gerade jetzt diese Situation entgleitet und wo (antizipierende) Hilfe benötigt wird.
  • Authentisch sein: eigene Gefühle und Verhalten stimmen überein. Dies dem Menschen mit FASD gegenüber in einer angebrachten Art und Weise zu äußern, hilft ihm dabei, eigene Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse besser wahrnehmen und verbalisieren zu können, so entsteht Vertrauen und Sicherheit. Die Bezugsperson handelt hierbei zugleich als Stellvertreter und als Vorbild.
  • Liebevoll akzeptierendes Aushalten: Unangepasstes, aggressives, lautes oder verletzendes Verhalten ist durch Störungen der exekutiven Funktionen verursacht und gehört mit zum Behinderungsbild von FASD – und ist keinesfalls persönlich gemeint. Mit Gelassenheit diese Situationen auszuhalten oder sogar noch einen „Ausstieg“ zu finden, ist eine große persönliche Herausforderung, ermöglicht jedoch später ein kooperatives und zugewandtes Nachbesprechen der Eskalation.

Diese Grundhaltungen sind untereinander sehr spannungsreich. Die richtige Mischung zu finden bleibt jedem selbst überlassen. Sie bilden aber die Grundlage für ein positives Grundverhältnis, in dem Gelungenes gefeiert werden und „unmögliche“ Situationen mit Humor und Distanz genommen werden können - verbunden mit dem Ziel, dass auch Menschen mit FASD ein glückliches Leben führen können.

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