Wie Alkohol wirkt

Alkohol verursacht häufigste Behinderungen bei Neugeborenen

Jährlich werden rund 10.000 Kinder mit Fetalen Alkoholspektrum-Störungen (FASD) geboren, so eine Schätzung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Damit zählt FASD – verursacht durch Alkohol in der Schwangerschaft – zu den häufigsten Behinderungen von Geburt an. Betroffene Kinder und Jugendliche weisen Verhaltensauffälligkeiten sowie z.T. schwere geistige und körperliche Behinderungen auf und benötigen dauerhaft fremde Hilfen und Unterstützung im Alltag.

Alkohol ist ein Zellgift

Das ungeborene Kind ist den gleichen Alkoholpegeln ausgesetzt wie die Mutter, denn Alkohol passiert ungehindert die Plazentaschranke. Während in der Leber der Mutter der Alkohol enzymatisch abgebaut wird, ist dies in der unreifen Leber des Feten nicht oder nur in geringem Umfang möglich. Erst wenn sich der Alkoholspiegel der Mutter senkt, geschieht dies – allerdings zeitverzögert – auch beim Fetus. Dies bedeutet, dass das ungeborene Kind etwa zehn Mal länger der toxischen Wirkung des Alkohols ausgesetzt ist. Der Alkohol und seine Abbauprodukte können so als zellschädigende und zellteilungshemmende Substanzen in viele Stoffwechselvorgänge des Ungeborenen eingreifen mit der Folge, dass Zellen und Gewebe bzw. Organe unterentwickelt oder von zu geringer Größe sind.

Zentrales Nervensystem und Exekutive Funktionen besonders betroffen

Je nach Entwicklungsphase des Ungeborenen hat Alkohol auf die Organe eine unterschiedlich schädigende Wirkung: Fehlbildungen von Organen und Skelett, häufig sind auch Herzfehler und deformierte Extremitäten. Besonders problematisch aber ist die Schädigung des Gehirns mit seinem zentralen Nervensystem. FASD zeichnet sich insbesondere durch eine verminderte Anzahl funktionierender Nervenbahnen aus. Alkohol führt zu unselektivem Zelltod und zum Überleben dysfunktionaler Neurone. Effektive neuronaler Netzwerke können sich nicht in ausreichendem Masse entwickeln. Besonders betroffen ist das Frontalhirn mit seinen Exekutiven Funktionen. Und damit diejenige Gehirnregion, in der die typischen menschlichen Fähigkeiten wie Fokussierung, Planung, Impulskontrolle, Lernen, und soziale Integration der Handlungen verankert sind.

Alkoholgeschädigte Kinder haben fast immer große Probleme, Verhalten und Emotionen zu steuern. Auch wird die Informationsverarbeitung und -weiterleitung negativ beeinflusst mit Auswirkungen auf die Sensibilität und kognitive Leistungsfähigkeit. Gedächtnis- und Konzentrationsschwächen, Wahrnehmungsstörungen oder motorischen Defiziten sind nur einige Störungsbilder. Darüber hinaus ist Alkohol auch psychoaktiv wirksam und verändert seelische Abläufe.

Somit erklärt sich auch, warum FASD in so vielfältigen Ausprägungen vorkommt. Verbindlich für alle Menschen mit FASD gilt, dass es sich in jedem Fall um eine irreversible hirnorganische Schädigung handelt, denn das Gehirn wächst während der gesamten Schwangerschaft und reagiert somit während des gesamten Zeitraums sehr empfindlich auf Zellgifte.

Da es bisher keine Grenze für ungefährlichen Alkoholkonsum gibt, raten Mediziner konsequent von Alkohol in der Schwangerschaft ab.

Entwicklungsperioden des Embryos

Entwicklungsperioden des Embryos, die Punkte zeigen die bevorzugten Angriffspunkte möglicher Geburtsschäden. Das Gehirn wächst während der gesamten Schwangerschaft. Daher ist das Zentralnervensystems von der ersten Woche bis zur Geburt besonders vulnerabel. (Hans-Ludwig Spohr: Das Fetale Alkoholsyndrom, De Gruyter 2014)

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